
Auf der Bühne einer Ted-Konferenz zu sprechen ist eine Ehre. Viele der größten Denker unserer Zeit haben hier gesprochen und einige der inspirierendsten Vorträge hier gegeben, immer unter dem Motto “Ideas worth spreading”. TedTalks sind kurz, auf den Punkt, auf Englisch und es ist vermutlich die größte Bühne der Welt für Ideen. Der TED Talk von Simon Schnetzer bei TEDx WHU zeigt unter dem Titel “Overcoming Discomfort Together”, wie wir die Superkraft des Miteinanders aktivieren können und die großen Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam lösen.
[.rt-prehead]INHALTSVERZEICHNIS[.rt-prehead]
[.black-link]1. TED Talk »Overcoming Discomfort Together« – Deutsche Version[.black-link]
[.black-link]2. Aufmerksamkeit verändert alles[.black-link]
[.black-link]3. Was Workshops sichtbar machen[.black-link]
[.black-link]4. Der Schlüssel ist Kommunikation[.black-link]
[.black-link]5. Was eine Komfortzone erweitert[.black-link]
[.black-link]6. Von Einsamkeit zu ZwoDo[.black-link]
[.black-link]7. Togetherness ist unsere Superpower[.black-link]
[.black-link]8. Der TED Talk in Englisch[.black-link]
Deutsche Version
Als Simon 2010 seinen Traumjob bei den Vereinten Nationen kündigte, um sein eigenes Unternehmen zu gründen, stieg er auf ein Fahrrad und reiste zwei Monate lang durch das ganze Land. Immer wieder hielt er am Straßenrand an, interviewte Hunderte junge Menschen und stellte ihnen im Kern zwei erstaunlich einfache Fragen: „Wie ist dein Leben?“ und „Wie könnte es besser sein?“ Sein Ziel war es, sicherzustellen, dass die Stimmen junger Menschen gehört werden, wenn über unsere Zukunft entschieden wird, und Brücken zwischen den Generationen zu bauen, weil stärkere Lösungen entstehen, wenn Generationen zusammenarbeiten. Mit der Zeit wurden diese Gespräche und Umfragen zu einer der lautesten Stimmen der jungen Generation und zu einer der angesehensten Referenzen für die Zusammenarbeit zwischen Generationen. Mehr dazu findest du in unseren Trendstudien Jugend in Deutschland.

Was Simon in diesen Gesprächen mit Menschen wie Nick, einem jungen Schreiner, Tessa, einer Psychologiestudentin, Mousty, einem Junior Consultant, und Tausenden anderen (die er seitdem interviewt hat) entdeckt hat, war auffällig konsistent: Jeder Mensch hat seine eigenen Formen von Discomfort: Stress, das Gefühl, verloren zu sein, Unerfahrenheit oder Einsamkeit sind überall. Und doch werden viele von uns eher zu Experten darin, mit diesem Unbehagen zu leben, als Wege zu finden, es zu überwinden. Wir schweigen, weil wir uns nicht trauen, auszusprechen, was wirklich los ist, weil wir nicht daran glauben, dass es überhaupt eine Lösung geben könnte, oder weil wir den Fehler zuerst in uns selbst suchen und nicht im System um uns herum.
Um dieses Gefühl begreifbar zu machen, führt Simon in seinem Vortrag einen Rhythmus ein: tack, tack, tack. Das ist die Geschwindigkeit, in der wir durch unsere Smartphones wischen, in der wir Informationen konsumieren und entscheiden, ob wir etwas mögen oder ablehnen. In einer Welt, die sich in diesem Takt bewegt, ist Aufmerksamkeit zu etwas Kostbarem geworden.
Momente echter Aufmerksamkeit und Konzentration helfen uns, wieder mit uns selbst in Kontakt zu kommen, unsere Situation zu verstehen und die Menschen um uns herum wahrzunehmen.
Für Simon sind genau diese Momente der erste Schritt, um Discomfort überhaupt zu erkennen und in einen kollaborativen Lösungsmodus zu wechseln.
Genau deshalb sind Workshops so wichtig, bei denen Menschen zusammen mit anderen ihre Situation teilen. In einem Workshop an einer Berufsschule in Berlin stellte er erneut die beiden Fragen, die seine Arbeit seit Jahren prägen: „Wie ist dein Leben?“ und „Wie könnte es besser sein?“ Die Antworten spiegeln, was seine Forschung schon lange zeigt: Mentale Gesundheit ist für junge Menschen ein riesiges Thema. Laut Simons Forschung fühlen sich 50 % der Gen Z gestresst, und rund 20 % haben das Gefühl, professionelle psychologische Unterstützung zu brauchen. Etwas Grundlegendes hat sich verändert. Junge Menschen sind heute ständig im On-Modus, sie haben permanent Angst, etwas zu verpassen (FOMO), und wenn sie Entscheidungen treffen, wählen sie nicht mehr zwischen drei Optionen, sondern zwischen tausend.
In diesem Berliner Workshop erzählte ein 22-jähriger Schüler, was Stress in seinem Alltag bedeutet, und der Raum wurde still. Nachdem seine Mutter einen Unfall hatte, sitzt sie im Rollstuhl in einer Wohnung im ersten Stock ohne Aufzug. Seitdem kümmert er sich um sie, erledigt die Einkäufe, führt den Haushalt, besucht die Schule, arbeitet und hat zusätzlich noch einen Nebenjob, um über die Runden zu kommen. Niemand in der Klasse wusste von seiner Situation.
Dann fand auch ein Mädchen den Mut, ihre Realität zu teilen: Sie lebt in einer Wohnung, in der sie sich ihr Zimmer mit drei Geschwistern teilen muss, hat keinen ruhigen Ort zum Lernen und Probleme in Mathematik.
Am Ende des Workshops hatten Mitschüler dem Jungen Hilfe angeboten, für das Mädchen einen ruhigen Lernort gefunden und zwei Nachhilfelehrer für Mathe organisiert. Für Simon ist genau das die Art von Magie, die möglich wird, wenn Menschen Aufmerksamkeit, Fokus und eine Atmosphäre erleben, in der sie keine Angst davor haben müssen, ihre Wirklichkeit auszusprechen. Könnte das auch ohne Workshop passieren? Ja, absolut. Aber viel zu oft sind wir schlicht zu beschäftigt – sogar zu beschäftigt, um es überhaupt zu bemerken. Tack, tack, tack.
Dasselbe Muster zeigt sich im Arbeitsalltag. Simon beschreibt Tom, einen erfahrenen Sachbearbeiter in einer Kanzlei, einen Babyboomer mit schönem Schnurrbart, zeitlosem Anzug und seinem 67. Geburtstag an genau diesem Tag. Als Tom das Büro betritt, begrüßen ihn die jüngeren Kollegen begeistert mit „six-seven, six-seven“. Tom versteht gar nichts. Er hat von diesem Trend noch nie gehört, und selbst nach einer Erklärung bleibt bei ihm vor allem Verwunderung zurück. Das ist ein komischer Moment, verweist aber auf eine ernste Wahrheit.
Aus Simons Erfahrung in Hunderten Generationenbefragungen und Workshops ist der entscheidende Schlüssel für funktionierende Zusammenarbeit und ein echtes Gefühl von Zusammengehörigkeit die Kommunikation.
Discomfort beginnt oft in Besprechungsräumen in Deutschland, Spanien oder Südkorea, wenn jedes dritte Wort Englisch ist. Für die Gen Z wirkt das ganz normal, für viele Boomer kann es sich ausgrenzend anfühlen. Togetherness bedeutet nicht, Trends zu verbieten. Es bedeutet, sich auf Regeln der Kommunikation zu verständigen, damit alle folgen können und sich sicher fühlen.
Wie kraftvoll das sein kann, hat Simon auch in Mehrgenerationenteams gesehen, die für die deutsche Autobahn arbeiten. Wenn nach einem Unfall auf der A7 eine dringende Räumung nötig ist, erleben junge Mitarbeitende, die neu im Job sind, großes Unbehagen. Ältere Kollegen stehen vor derselben kritischen Situation, bringen aber Erfahrung mit. Jüngere Teammitglieder schätzen genau diese Expertise und Unterstützung, und Simon beschreibt diese Zusammenarbeit als eine Form von permanentem Reverse Mentoring. Gemeinsam erweitern Menschen so ihre Komfortzonen und lernen, mit kritischen Situationen umzugehen. Beeindruckt hat ihn auch, was nach den stressigen Phasen passiert: Das Team räumt gemeinsam das Lager auf und macht selbst aus dieser einfachen Aufgabe eine wertvolle gemeinsame Erfahrung mit unmittelbarer Zufriedenheit.
Im Zentrum des Vortrags steht die Idee der Komfortzone. Simon sagt offen, dass er selbst nicht genau weiß, wie groß seine eigene Komfortzone eigentlich ist. Er weiß, dass er einen Marathon in ungefähr 3,5 Stunden laufen kann, und er weiß, dass er einen Monat ohne Smartphone und Social Media auskommt. Er weiß aber auch, dass er an die Grenzen seiner Komfortzone stößt, wenn ihm jemand eine Sprachnachricht schickt, die länger als drei Minuten dauert.
Dann zeigt er dem Publikum etwas sehr Konkretes. Zuerst bittet er alle, das gemeinste Gesicht aufzusetzen, das sie hinbekommen, und laut „Buuuuuhhh“ zu rufen. Danach sollen alle das Gegenteil tun: ein freundliches, fröhliches Gesicht machen, aufstehen und mit herzlichem Applaus reagieren. Die Energie im Raum verändert sich sofort. Sein Punkt ist ebenso einfach wie kraftvoll: Ein einziger böser Blick kann die Komfortzone eines anderen Menschen schrumpfen lassen, und ein echter Unterstützer kann sie erweitern.

Die Art, wie wir uns verhalten, hat reale Macht über die Komfortzonen anderer, und mit dieser Macht geht Verantwortung einher.
Im letzten Teil des Vortrags wird es persönlich. 2010 gab es in Simons Leben eine Zeit, in der er sich sehr allein fühlte. Er ging in Bars, um Menschen kennenzulernen, aber es fühlte sich unnatürlich und unbeholfen an. Es war nicht nur Einsamkeit – er war auch auf der Suche nach Liebe. In einer Zeit, in der es so leicht ist, online neue Verbindungen zu knüpfen, bleibt echte Begegnung im wirklichen Leben trotzdem oft erstaunlich schwer. Das änderte sich, als er seine alte Freundin Katja traf, nachdem beide in ihre Heimatstadt Kempten zurückgekehrt waren. Sie verabredeten sich für 19 Uhr am zweiten Donnerstag des folgenden Monats in einer Bar, und beide luden Freunde dazu ein. Aus dieser kleinen Idee wurde ein monatliches Treffen mit dem Namen ZwoDo – kurz für „zwoter Donnerstag“. Es wuchs immer weiter und läuft heute, fast 15 Jahre später, noch immer in Kempten. Schon nach kurzer Zeit war Simon von neugierigen, spannenden Menschen umgeben, die gemeinsam etwas unternehmen wollten. Das Treffen half vielen dabei, in Kempten anzukommen, neue Freundschaften zu knüpfen und Einsamkeit zu überwinden.
Dieselbe Sehnsucht nach echter Begegnung im realen Leben erkannte Simon auch in einem viralen TikTok-Phänomen aus dem Jahr 2025: „Pudding mit Gabel essen“. Menschen trafen sich im Park, um Pudding mit einer Gabel zu essen. Zuerst hielt er das für einen weiteren sinnlosen Trend, doch dann merkte er, dass er sich geirrt hatte. Der Pudding war nie der eigentliche Punkt. Er war nur ein Anlass, sich offline zu treffen, das tack, tack, tack für einen Moment anzuhalten und im echten Leben zusammenzukommen.
Für Simon hat ZwoDo sein Leben verändert. Etwas später hat er seine Frau Stefanie kennengelernt. Heute haben sie drei Kinder und führen gemeinsam ein erfolgreiches Unternehmen. Seit Jahren stellt er Menschen immer wieder dieselben zwei einfachen Fragen: „Wie ist dein Leben?“ und „Wie könnte es besser sein?“ Und immer wieder ist er zu derselben Erkenntnis gelangt: Discomfort verschwindet nicht, wenn wir ihm ausweichen. Aber es kann sich verwandeln, wenn wir ihm gemeinsam begegnen. Für Simon ist Togetherness deshalb keine weiche Idee und kein nettes Extra, sondern unsere wahre Superpower.
When Simon quit his dream job with the United Nations in 2010 to start his own business, he got on a bicycle and travelled across the country for two months. Along the roadside, he interviewed hundreds of young people and kept coming back to two deceptively simple questions: How is your life? And how could it be better? His goal was to make sure young people’s voices are heard when leaders decide about our future, and to build bridges between generations because stronger solutions emerge when generations work together. Over time, those conversations and surveys became one of the loudest voices of the young generation and one of the most respected references for collaboration between generations.

What Simon discovered in those interviews with people like Nick, a young carpenter, Tessa, a psychology student, Mousty, a junior consultant, and thousands of others was strikingly consistent: everyone has their discomforts. Stress, feeling lost, inexperience, loneliness — these experiences are everywhere. Yet instead of finding ways to overcome them, many of us become experts at living with them. We stay silent because we do not dare to talk about what is really going on, because we do not believe there could be a solution, or because we search for failure in ourselves instead of in the system around us. To explain what this feels like, Simon introduces a rhythm: tack, tack, tack. It is the speed at which we swipe through our phones, the speed at which we consume information, and the speed at which we decide whether we like or dislike something. In a world moving at that pace, one of the most precious things we still have is attention. Moments of real attention and focus allow us to reconnect with ourselves, understand our situation, and notice the people around us. For Simon, they are the first step in recognising discomfort and switching on collaborative solution mode.
This is why his workshops matter so much. In a recent workshop at a professional school in Berlin, he once again asked the two questions that have guided his work for years: How is your life? And how could it be better? The answers reflect what his research has been showing for a long time: mental health is a huge issue for young people. According to Simon’s research, 50% of Gen Z feel stressed, and around 20% feel they need professional psychological support. Something fundamental has changed. Young people are always on, always afraid of missing out, and when they make decisions, they no longer choose between three options, but between a thousand. In that Berlin workshop, a 22-year-old student described what stress meant in his everyday life, and the room fell silent. After his mother had an accident, she was left in a wheelchair in a first-floor flat without an elevator. Since then, he has been caring for her, buying groceries, managing the household, attending school, working, and taking on an extra job to make a living. No one in the class knew about his situation. Then a girl found the courage to share her own reality: she lived in a flat where she had to share her room with three siblings, had nowhere quiet to study, and struggled with maths. By the end of the workshop, classmates had offered help to the boy, found a quiet place for the girl to learn, and organised two maths tutors. For Simon, this is the kind of magic that becomes possible when people are given attention, focus, and an atmosphere in which they do not fear sharing their reality. Could that happen without a workshop? Yes, absolutely. But too often we are simply too busy — even too busy to notice. Tack, tack, tack.
The same pattern appears in the workplace. Simon describes Tom, an experienced clerk in a law firm, a baby boomer with a beautiful mustache, a timeless suit, and his 67th birthday on that day. When Tom walks into the office, the younger colleagues greet him with excited chants of “six-seven, six-seven.” Tom does not get it. He has never heard of the trend, and even after an explanation, he is still left wondering. It is a funny moment, but it points to a serious truth. From Simon’s experience in hundreds of generational surveys and workshops, the key to functional collaboration and a real sense of togetherness is communication. Discomfort often begins in meeting rooms in Germany, Spain, or South Korea when every third word is English. For Gen Z, that can feel normal. For many boomers, it can feel alienating. Togetherness does not mean banning trends. It means agreeing on rules of communication so that everyone can follow and feel safe. Simon has seen how powerful that can be in multigenerational teams maintaining the German Autobahn. When an urgent cleanup is needed after an accident on Highway A7, young employees entering the job experience huge discomfort. Older colleagues face the same critical situation too, but they bring experience. Younger team members value that expertise and support, and Simon describes such collaboration as a form of permanent reverse mentoring. Together, people grow their comfort zones and learn to handle critical situations. What impressed him just as much was what happened after the stressful phases: the team tidied up their storage together, turning even that simple task into a valuable shared experience with immediate satisfaction.

At the centre of the talk is the idea of the comfort zone. Simon openly admits that he does not fully know how big his own is. He knows he can run a marathon in around 3.5 hours, and he knows he can live without a smartphone and social media for a month. But he also knows he reaches the limits of his comfort zone when someone sends him a voice message longer than three minutes. Then he demonstrates something powerful with the audience. First, he asks everyone to put on the meanest face they can and shout “Boooooohhh.” Then he asks them to do the opposite: to put on a friendly, cheerful face, stand up, and respond with warm applause. The energy in the room changes immediately. His point is simple and powerful: one mean look can shrink another person’s comfort zone, while one true supporter can expand it. The way we act has real power over the comfort zones of others, and that power comes with responsibility.
The final part of the talk becomes personal. Back in 2010, there was a time in Simon’s life when he felt very alone. He went out to bars to meet people, but it felt awkward and unnatural. It was not only loneliness — he was also looking for love. In an age where it is so easy to connect online, real-life connection can still feel surprisingly difficult. That changed when he met his old friend Katja after both had returned to their hometown of Kempten. They agreed to meet at a bar at 7 p.m. on the second Thursday of the following month, and both invited friends to come along. That small idea became a monthly meetup called ZwoDo — short for “zwoter Donnerstag,” second Thursday. It kept growing and, almost 15 years later, is still running in Kempten. Within a short time, Simon found himself surrounded by curious, generous people who wanted to do things together. The meetup helped many people overcome loneliness, build new friendships, and even meet future partners. Simon himself later met his wife Stefanie. Today, they have three children and run a successful business together. He saw the same longing for real-life connection in a viral TikTok phenomenon from 2025 called “Pudding mit Gabel essen,” where people met in parks to eat pudding with a fork. At first, he dismissed it as another pointless trend, but he realised he was wrong. The pudding was never really the point. It was simply a reason to meet offline, pause the tack-tack-tack for a moment, and be together in real life.
That is the deeper message of Simon’s talk. For years, he has asked people the same two questions: How is your life? And how could it be better? Again and again, the answers have led him to the same conclusion: discomfort does not disappear when we avoid it. But it can be transformed when we face it together. For Simon, togetherness is not a soft idea or a nice extra. It is our true superpower.