Simon Schnetzer: Der Jugendforscher, der die Menschen beteiligt

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Der diplomierte Volkswirt Simon Schnetzer ist Autor und Herausgeber zahlreicher aktueller Studien über die Lebens- und Arbeitswelten junger Menschen in Deutschland. Es gibt viele Bezeichnungen für diese Zielgruppe, z.B. Generation Y, Generation Z, Generation Null Bock, Generation Internet, Millenials, Generation Connected oder Krisenkinder.

Sie alle finden sich in den Datajockey-Studien des Jugendforschers Simon Schnetzer wieder, in denen er mit der Methode der partizipativen Aktionsforschung nach Kurt Lewin arbeitet und auf innovative Weise qualitative und quantitative Sozialforschung kombiniert. Das hat einen großen Vorteil: Zunächst entsteht durch quantitative Forschung das große Bild (the big picture), in dem die Trends und Probleme sichtbar werden; im zweiten Schritt geht Simon Schnetzer mit qualitativer Forschung (Interviews und Innovations-Workshops) in die Tiefe, um die Probleme der Zielgruppe zu verstehen.

Als Ergebnis dieser Forschung präsentiert er Trends und Statistiken und macht sie durch die Geschichten der Menschen greifbar. Eine besonders relevante Unterscheidung junger Menschen sieht er in den verschiedenen Lebensphasen des Erwachsenwerdens: Schule, Ausbildung, Beruf, Partnerschaft und Familie. Aus diesem Grund hat er bereits in seiner ersten, damals noch eigenfinanzierten, Studie „Junge Deutsche 2011“ 14- bis 34-Jährige befragt. Weitere Studien sind die AÜW Schüler-Trendstudie Energiewende (2015), Toleranz Online (2014), Junge Deutsche (2015), die IG BCE-Jugendstudie (2013) und Decoding Digital Connections (2012).

Auszeichnungen für das Format der Jugendforschung & Beteiligung

2013 erhielt ich den Online-Partizipationspreis für das von mir gegründete, konzipierte und in Kooperation mit der Berliner Servicestelle Jugendbeteiligung durchgeführte Projekt „Junge Deutsche„.

Schnetzer Preisverleihung Jugendbeteiligung

Der Sonderpreis Jugendpartizipation geht an das Online-Partizipationsprojekt „Junge Deutsche“. Ein Partizipationsprojekt der ganz anderen Art. Die Bandbreite der Partizipationsmöglichkeiten wird hier auf vielfältige Weise genutzt. Inspirierend war, dass Jugendliche am gesamten Partizipationsprozess in verschiedenen tragenden Funktionen beteiligt sind. Das Projekt setzt ein Zeichen, was im Bereich Partizipationsprojekte möglich gemacht werden kann.“

Die Mitglieder der Jury 2013: Franz-Reinhard Habbel (DStGB); Prof. Reinhard Riedl (Fachhochschule Bern), Dr. Peter Parycek (Donau-Universität Krems), Dr. Ansgar Klein (Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement), Anke Domscheit-Berg (Government 2.0 Netzwerk Deutschland e.V.), Christoph Meineke (Gemeinde Wennigsen/Deister)

Was ist an der Generation Y so spannend?

Ich finde das Forschen über und mit jungen Menschen so spannend, weil sie der Seismograph gesellschaftlicher Veränderungen sind. Die Generation Y war der Voreiter in Bezug auf die Nutzung und Verbreitung vieler Technologien, die heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Wenn z.B. die Firma BMW überlegt, welche Arten der Computer-Mensch-Interaktion sie heute für die Autos in 10 bis 20 Jahren plant, sehen sich die Verantwortlichen ganz genau die Werteinstellungen, Technik-Nutzungsgewohnheiten und Lebenswelten junger Menschen an. Da ich mich sehr für das Thema des gesellschaftlichen Zusammenhalts interessiere, beschäftige ich mich auch mit jungen Menschen und ihrem Antrieb für Engagement, Mitbestimmung und Demokratie. Ich bin sehr gerne Jugendforscher, weil “die Jugend” und das Arbeiten mit jungen Menschen nie langweilig wird. Zu beobachten, wie aus jungen Menschen Erwachsene werden und wie sie zunehmend für sich und andere Menschen Verantwortung übernehmen – oder auch nicht – ist absolut faszinierend.

Warum ist die Beteiligung der jungen Menschen so wichtig?

Grundsätzlich ist es mein Anliegen in Datajockey-Projekten, dass die meist junge Zielgruppe, um die es in einem Forschungsprojekt gehen soll, bereits in den Entwicklungsprozess eingebunden und dadurch ein aktiver Teil des Projekts wird. Das bedeutet einerseits mehr Aufwand, andererseits erhält die Studie dadurch mehr Authentizität. Die Auftraggeber bekommen somit deutlich aussagekräftigere Ergebnisse. Eine solche Studie (die sogenannte partizipative Aktionsforschung) kann als eigenständiges Ereignis dank der Beteiligung der Menschen dazu eingesetzt werden, Bewusstsein für eine Sache zu fördern, eine Gemeinschaft oder Community aufzubauen, eine gemeinsame Identität zu stiften oder gemeinsam strategische Ziele zu entwickeln. Die Geschichten aus den Interviews sind außerdem die Grundlage für das Storytelling – für mich als Studienautoren und für Sie, wenn Sie die Ergebnisse z.B. für Ihr Marketing, die Personalgewinnung oder die Entwicklung gemeinsamer Werte nutzen.

Warum diese Art zu forschen so besonders ist? Weil sie den Beteiligten Spaß macht, weil sie etwas lernen und sich in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln. Bestes Beispiel dafür sind die Geschichten meiner Teamkollegin Diana Rychlik, die mich 2012 auf einer Deutschlandtour für das Projekt “Junge Deutsche” mit dem Fahrrad begleitete: Tourstop in Aachen an der bei Jung und Alt beliebten Eisdiele „Eismännchen“.

 

Was hat Jugendforschung mit Internet und Startups zu tun?

Wer sich mit der Jugend beschäftigt, muss sich zwangsläufig auch mit dem Internet beschäftigen. Das Internet – und damit meine ich auch digitale Kommunikation, vernetzte elektronische Geräte und mobile Anwendungen – verändert unser Leben grundlegend und hat tatsächlich eine zweite, virtuelle Lebenswelt geschaffen, die aus dem Alltag junger Menschen nicht mehr wegzudenken ist. Es hat mich daher sehr gefreut, als Google Deutschland 2013 auf mich zukam und mich damit beauftragte, diese digitalen Lebenswelten in der Studie „Toleranz Online“ partizipativ, transparent (Open Science) und mit öffentlich zugänglichen Ergebnissen zu erforschen. Wenn heutzutage auf dem Schulhof oder am Arbeitsplatz gemobbt wird, hat das selten nur eine Dimension in der analogen oder digitalen Lebenswelt. Es ist also notwendig, beide Lebenswelten zu verstehen und die Zusammenhänge deuten zu können.

Als ich mich 2009 selbständig machen wollte, habe ich zunächst den Podcast “Gründergeist.eu” gestartet, um alles Wissen über Startups zu sammeln und gleichzeitig mich und andere Deutsche zu motivieren, Gründungsideen in die Tat umzusetzen. Auf meinen Reisen durch Deutschland habe ich später viele junge Menschen getroffen, die gerne jenseits der Metropolen leben würden, aber dort keine geeigneten Perspektiven vorfinden. Zurück im Allgäu habe ich selbst viel investiert, um für mich geeignete Strukturen aufzubauen und über die Themen Gründer- und Innovationskultur zu forschen. Unter dem Titel “Silicon Hinterland” habe ich diese Erfahrungen und Empfehlungen zusammengefasst. Damit unterstütze ich Firmen und Regionen, für junge Menschen attraktiver zu werden und mit mehr Gründerkultur und einem Innovationsnetzwerk Perspektiven zu schaffen.

Wer junge Menschen beteiligt, muss sie in ihrer digitalen und analogen Lebenswelt abholen und ihnen eine Perspektive geben. Daher gehören für mich Jugendforschung, Internetforschung und Unternehmertum unbedingt zusammen.

Ist diese Art der Forschung auch auf andere Altersgruppen anwendbar?

Unbedingt. Die Methoden der partizipativen Aktionsforschung sind für alle Altersgruppen geeignet. Ich habe sogar schon in Altersheimen Workshops zum Thema  “Junge Leute früher und heute” gegeben. Aus meiner Feder stammt ein Konzept für ein Generationenforum, bei dem ich ältere und jüngere Menschen mit Befragungsmethoden zusammenbringe, um eine Kartografie des sozialen Miteinanders zu erstellen und unter den Teilnehmer/innen mehr Respekt und Toleranz zu entwickeln. Mein Spezialgebiet ist die Jugendforschung, doch ich bin offen für Ihre Anfragen. Für Studienanfragen kontaktieren Sie mich bitte über Datajockey – Aktionsforschung & Training

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